Newsletter vom 08. Juli. 2022

Liebe Freundinnen und Freunde von „Back on Track“,

im Juni ist richtig Leben in unseren Projekträumen gewesen. Jeden Tag waren viele Menschen da, die bei uns lernen wollten, Beratung brauchten oder eben Lust hatten, anderen Menschen zu begegnen und mit uns an neuen Projekten zu planen. In der Welt fühlt es sich gerade an, als liefe alles schief - bei uns merken wir auch: Es kommt durch diese Schieflage Bewegung in viele festgefahrene Strukturen. Wir wären nicht wir, wenn wir nicht versuchten, daraus etwas Positives zu schaffen.

Tag der offenen Tür im yep-Projekt

Jede Menge los war auf jeden Fall am 09.06. - dem Tag der offenen Tür im yep15+Projekt. Jugendliche und ihre Familien waren eingeladen, sich über unsere Aktivitäten zu informieren und konnten vor Ort unsere Projektpartner*innen kennenlernen. In kleinen Mitmach-Sessions konnte man ein Gefühl für den Theaterkurs entwickeln, sich einen Film über die Schwimmkurse ansehen und sich z.B. mit den Themen der Workcamps vertraut machen.

Auch in den Sommerferien ist viel geplant. Am 18.07. z.B. fahren wir mit dem umgebauten Doppeldeckerbus unserer geliebten Linie 94 zum Erdbeerenpflücken und Marmeladekochen aufs Land. Ihr kennt arabischsprachige oder afghanische Jugendliche, die darauf oder auf Filme drehen, Stadtrallye veranstalten und vieles mehr Lust hätten? Dann schickt sie zu uns.

Auch schulische Unterstützung durch Arabisch und Dari sprechende Mentor*innen können sie bei uns natürlich weiterhin bekommen. Hier geht es zu den Projektflyern: https://backontrackev.org/projekte/yep-15/ Unten ein paar Eindrücke vom Tag der offenen Tür. Finanziert wird dieses Projekt aus dem AUF!leben-Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Das PARENTable-Projekt wird am Ende gut

Nachdem unser Erasmus+ Projekt mit der PH Schwäbisch Gmünd und den Partneruniversitäten aus Schweden, Italien und der Türkei nach zwei Jahren Corona nun endlich Fahrt aufnehmen konnte, haben wir es Ende Juni in Stuttgart zu einem beachtenswerten Abschluss gebracht. Niemand geringeres als Aleida Assmann hielt auf der Abschlussveranstaltung einen Vortrag mit dem Thema “Die Rolle von Erinnerung und Identität in der deutschen Migrationsgesellschaft”, der von den Teilnehmenden angeregt diskutiert wurde.

Auch zwei unserer Mentorinnen saßen auf dem Podium, um dem Publikum Einblick in ihre Erfahrungen als Eltern neu migrierter Kinder im deutschen Schulsystem zu geben und von unserem Workshop in Berlin zu berichten. Ein bedenkenswerter Satz von diesem Podium: “Mein Sohn wurde, weil er in der Willkommensklasse schnell Deutsch lernte, der 9. Klasse eines Gymnasiums zugewiesen. Dabei hatte er in Syrien sechs Schuljahre verpasst. Er hat die Schule dann ohne Abschluss verlassen. Hätte ich damals mehr über das Schulsystem gewusst, hätte ich ihn besser unterstützen und auf eine andere Schule bringen können.” Das können wir besser!
Aber das Projekt ist noch nicht ganz zu Ende: Am 30.08. werden wir noch eine Online-Veranstaltung durchführen, in der sich interessierte Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, Schulpsycholog*innen usw. mit dem PARENTable-Ansatz vertraut machen können. Ziel des Projektes war es, einen Instrumentenkasten zur verbesserten Elternarbeit mit Eltern neu migrierter Kinder zu entwickeln. Das ist uns gelungen. Die Webseite ist noch im Korrekturmodus, aber schon jetzt kann man sich die Inhalte auf Englisch und Arabisch ansehen: https://www.parent-able.com/

Symposium Flüchtlingsschutz - Und sie bewegt sich doch!

Auch ich durfte in diesem Monat auf einem Podium sitzen und zwar gemeinsam mit Staatssekretär Aziz Bozkurt aus der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Hans-Peter Meidinger, und dem Gründer der SchlaU-Schule, Michael Stenger, zum Thema “Bildung: Menschenrecht für geflüchtete Kinder”. Stattgefunden hat das am 20.06. auf dem 22. Berliner Symposium zum Flüchtlingsschutz der Evangelischen Akademie zu Berlin.

Das war ein gutes Gespräch, wie ich fand. Es ging z.B. darum, dass geflüchtete Kinder mit ihren unterbrochenen Bildungsbiografien ein Recht darauf haben zehn Jahre zur Schule zu gehen, um einen Schulabschluss zu schaffen. Zu selten bekommen sie dazu die Gelegenheit, denn leider ist das Beispiel aus dem letzten Beitrag kein Einzelfall. Zu selten macht sich eine Schule die Mühe, sich mit der Bildungsbiografie der neu migrierten Schüler*innen zu beschäftigen, so dass man gezielt an Defiziten arbeiten könnte.

Noch spannender aber war das nächste Thema, nämlich dass dieser Umstand eben auch mit dem eklatanten Lehrkräftemangel an den Schulen zusammenhängt und dass es endlich an der Zeit ist, die hohen Hürden abzubauen, die migrierten Lehrkräften in den Weg gestellt werden: zweites Fach studieren, Sprachnachweis auf Niveau C2, um nur einige zu nennen. Und hier scheint die Botschaft auch bei Politik und Verbänden endlich angekommen zu sein: Ein “Weiter so!” kann es nicht geben. Wir müssen uns bewegen. So war mein Eindruck der Veranstaltung: “… und sie bewegt sich doch!” - Mal schauen!

Unsere Lerntreffen … laufen immer weiter

Bevor wir uns jetzt in drei Wochen Ferien bei den Lerntreffen verabschieden (in der zweiten Ferienhälfte finden wieder unser Ferienaktionen statt), möchten wir noch ein paar aktuelle Eindrücke von unserer Arbeit mit euch teilen. Denn die Lerntreffen laufen - dank vieler Stiftungen und eurer Spenden - einfach immer weiter.

Mit diesen Eindrücken wünscht mit dem gesamten Team einen schönen Sommer

Ihre und Eure

Petra Becker