Newsletter vom 07. Januar 2022

Liebe Freundinnen und Freunde von „Back on Track“,

wir hoffen, dass ihr alle wohlbehalten, ausgeruht und gesund im neuen Jahr angekommen seid. Wir haben die Zeit zwischen den Jahren für eine Verschnaufpause genutzt und das Jahr 2021 Revue passieren lassen. Trotz aller Widrigkeiten, die es mit sich brachte, haben wir eine Menge auf die Beine gestellt. All das werden wir demnächst im Jahresbericht für euch zusammenstellen. Aber nun erst einmal ein Blick in den Monat Dezember - und nach vorn:

Bücher und Rucksäcke für unsere bildungshungrigen Kinder

Den ganzen Dezember über glich unser Büro der Einsatzstelle des Weihnachtsmannes: Geschenkpapier, Packpapier, Adressaufkleber, Klebeband und jede Menge Bücher und Rucksäcke stapelten sich auf Tischen und Bänken. Unsere fleißigen Weihnachtswichtel haben knapp 150 Geschenke an unsere Kinder und Jugendlichen verschickt.

Lieber wäre uns ja eine Weihnachtsfeier gewesen, bei der wir alle mal wieder hätten in die Arme schließen können. Denn seit fast zwei Jahren spielt sich ja fast alles online ab. Erst seit September können wir uns in der Kiezspinne und der Ulme35 wieder in sehr kleinen Gruppen treffen.

So war es uns wichtig, den Kindern wenigstens auf diese Weise eine Freude zu machen, die man auch anfassen kann. Die Resonanz war herzerwärmend.

Weihnachtswichtel im Einsatz

Ein emotionales Weihnachtsgeschenk von unseren Absolvent*innen

Wie Weihnachten haben wir uns auch gefühlt, als uns die Teilnehmer*innen unserer vorletzten Lehrkräfteweiterbildung kontaktiert haben, die noch unter dem Projektnamen „Stark macht stärker” lief. Ihre Nachricht lautete: „Wir haben gestern in unserer Whatsapp-Gruppe verabredet, dass wir uns bei euch bedanken und mit euch feiern möchten, denn fast alle haben jetzt eine Anstellung an einer Berliner Schule gefunden.”

Die arabischsprachigen Absolvent*innen hatten ihren Kurs im Februar 2021 mitten im Lockdown abgeschlossen. Mithin war es für sie nicht so leicht, direkt im Anschluss eine Stelle zu finden. Mit dem neuen Schuljahr hat es dann geklappt.
Das werden wir ganz bestimmt feiern - natürlich, sobald es mit Essen und Trinken möglich ist und dann natürlich auch mit unseren Partnern von „Die Wille gGmbH”, mit denen wir dieses senatsgeförderte ESF-Projekt umgesetzt haben.

Lernen konnten wir fast nur online - gefeiert wird aber im Sommer richtig!

Interessanter Einblick in unser Youth-Projekt

Um euch mal einen kleinen Einblick in unser Youth-Projekt zu geben, hat unsere Bundesfreiwillige Israa (die ebenfalls am Projekt teilgenommen hat) ein Interview mit einer ehemaligen Teilnehmerin geführt:

I: Hallo Maram, wie bist du eigentlich auf „Back on Track” gekommen?

M: Durch eine Freundin. Ich hatte Schwierigkeiten in der Schule und meine Freundin schlug mir vor, mich an „Back on Track” zu wenden.

I: In welcher Klasse warst du?

M: In der elften Klasse. (Anmerkung: Eigentlich richtet sich das Projekt an Jugendliche, die den Schulabschluss noch vor sich haben. Wir haben aber auch einzelne Schüler*innen der elften Klasse unterstützt, weil der beste MSA nicht nutzt, wenn man das Probehalbjahr in der elften Klasse nicht besteht. Da waren wir uns mit „Aktion Mensch”, die das Programm finanziert, einig.)

I: Was war dein erster Eindruck von dem Verein? Hattest du das Gefühl, dass er dir helfen könnte?

M: Ich war beeindruckt, dass der Ort ruhig und komfortabel war und es eine angenehme Lernatmosphäre gab. Die Leute dort waren sehr nett zu mir und den anderen Schülern.

I: In welchen Fächern brauchtest du Nachhilfe?

M: In Deutsch, Mathe und manchmal Politik.

I: Hast du von dieser Nachhilfe profitiert?

M: Ja sehr, am meisten in Deutsch, weil Deutsch ja nicht meine Muttersprache ist und ich da am meisten Hilfe brauchte.

I: Wie waren deine Mentor*innen?

M: Es war super, sie waren sehr freundlich und hilfsbereit. Da ich in mehreren Fächern Hilfe brauchte, hatte ich ja verschiedene. Ich habe Nachhilfe von Deutschen und Syrern erhalten.

I: Ist das nicht schwierig, wenn die Mentor*innen aus Syrien kommen? Haben sie dir die Themen nach dem deutschen System erklärt oder nach dem syrischen System?

M: Das hängt vom Mentor ab. Und ich denke, es spielt keine Rolle, wenn man in der Lage ist, sich auf das zu konzentrieren, was in der Schule verlangt wird. Ich meine, ob ich Mathematik nach dem deutschen oder syrischen System lerne, spielt keine Rolle, solange meine Antwort richtig ist. Was die literarischen Fächer und Sprachen betrifft: die muss man natürlich nach dem deutschen System lernen.

I: Gab es jemanden, an den du dich wenden konntest, wenn du ein Problem hattest?

M: Ja, es gibt eine Sozialarbeiterin. Sie heißt Noor und ist sehr nett.

I: Was machst Du jetzt?

M: Ich habe die 12. Klasse abgeschlossen und werde jetzt einen Bundesfreiwilligendienst machen. Damit habe ich dann Abitur und kann studieren.

Ich möchte mich bei dem gesamten Team bedanken, dass sie sich um uns gekümmert haben. Sie haben uns geholfen, damit wir in Deutschland unsere Bildung abschließen können.

(Das Interview wurde am 04.01.2022 geführt.)

Schüler*innen von Back on Track Youth bei einem Einstufungstest

Zu guter letzt noch ein Preis …

Das ganze Jahr haben wir finanziell gestrampelt und jongliert. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns im Dezember so über diese Nachricht gefreut:

Back on Track e.V. hat den Förderpreis „EngagementGewinner“ erhalten. Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) hat damit erstmals die Arbeit gemeinnütziger Organisationen honoriert, die mit innovativen und inklusiven Ideen Nachwuchs fürs Ehrenamt gewinnen. Alle Gewinner erhielten ein Preisgeld von 10.000 Euro.

Bewerben konnten sich gemeinnützige Organisationen, die bereit waren, ihre Tricks und Erfahrungen mit anderen zu teilen. Besonderen Wert legten die Jurorinnen und Juroren auf Übertragbarkeit, Innovation, Inklusionskraft und Wirksamkeit der eingereichten Ideen.

Back on Track e.V. setzt darauf, Geflüchtete nicht zu Hilfeempfänger*innen zu degradieren, sondern sie aktiv einzubinden. Viele unserer Mentor*innen sind als Eltern gekommen und schnell Teil des Teams geworden. Einige unserer Bundesfreiwilligen sind ehemalige Schüler*innen. Wichtig ist uns auch, diese Leistungen wertzuschätzen. Dabei hilft uns das Land Berlin: Regelmäßig werden unsere Ehrenamtlichen öffentlich vom Senat ausgezeichnet.

Damit konnten wir die Expertenjury überzeugen: Die Jurorinnen und Juroren wählten uns zu einem der 50 Gewinner des Förderpreises. Ein kleiner Text dazu ist auf der Webseite der Stiftung einzusehen:
https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/projekte/das-know-how-gefluechteter-eltern-ein-schatz-fuer-kinder/

… und noch einmal: Danke!

Bedanken möchten wir uns auch herzlich bei der „Deutsche Bahn Stiftung”, die uns zum Ende des Jahres mit 5000 Euro unterstützt hat und nicht zuletzt bei Euch allen, die Ihr uns in diesem Jahr mit Spenden, Kontakten, Hinweisen, Zuspruch und spontanen Arbeitseinsätzen unter die Arme gegriffen habt.

Am Ende haben wir es mit vereinten Kräften geschafft, ohne finanzielle Altlasten ins neue Jahr zu gehen und können nun mit neuer Kraft durchstarten.

Ein glückliches, gesundes und harmonisches 2022

wünscht mit dem gesamten Team

Ihre und Eure

Petra Becker